[Sa|Tü|R] Reden schreiben – Reden halten

Salzburg-Tübinger-Rhetorikgespräche – Fachtagung am 1. bis 3. Juni 2017 in Tübingen

  • Das Programm finden Sie hier. Sie finden nun auch alle Abstracts online!

     

    Festredner am 2. Juni 2017, 19 Uhr s.t., Festsaal, Neue Aula

    Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert
    Reden in der Demokratie

     

    Plenarvorträge

    Jacqueline Schäfer (VRdS), 1. Juni, 14:15 Uhr, 027
    Von der Verantwortung der Redenschreiber

    Dr. Claudia Gruhn, 2. Juni, 9:00 Uhr, 027
    Redenschreiber im Unternehmen

    Prof. Dr. Frank Brettschneider, 2. Juni, 13:30 Uhr, 027
    Verständlichkeit von Reden

    Prof. Dr. Thomas Schirren, 3. Juni, 12:00 Uhr, 027
    Vom Winkellogographen zum panhellenischen Publizisten: Isokrates von Athen

     

    Hinweis für SaTüR-Teilnehmer:

    Im Rahmen der Ringvorlesung „Lebendige Rhetorik: 50 Jahre Seminar für Allgemeine Rhetorik“ spricht

    Prof. Dr. Karl-Heinz Göttert
    Typographie und Layout rhetorisch betrachtet: Wie sich die Literatur in Erstausgaben präsentierte

    am 1. Juni um 20:15 Uhr im Hörsaal 021 im Kupferbau, Hölderlinstraße 5, 72074 Tübingen.
    Die Veranstaltung ist öffentlich und der Eintritt ist frei.

     

    • Call for Papers

      Call for Papers als PDF-Download.

      Reden schreiben – Reden halten 

      Wie jedes Jahr findet auch 2017 wieder ein Salzburg-Tübinger-Rhetorikgespräch statt. Diesmal ist der Termin verbunden mit dem 50-jährigen Jubiläum des Seminars für Allgemeine Rhetorik an der Eberhard Karls Universität Tübingen, dem eine Reihe von Veranstaltungen im Jahr 2017 gewidmet sind. Die Sommer-Konferenz findet in Kooperation zwischen dem

      Rhetorikforum, dem
      Seminar für Allgemeine Rhetorik, und dem
      Verband der Redenschreiber deutscher Sprache statt.

      Das Thema widmet sich im Jahr 2017 dem wohl ältesten Handlungsbereich der Rhetorik:

      Reden schreiben – Reden halten.

      Kaum ein Spitzenpolitiker oder -manager kommt heute noch ohne professionelle Redenschreiber aus. Redenschreiber kümmern sich dabei nicht nur um die Ausarbeitung des Redetextes, sie bereiten Inhalte auf, konzipieren zielgerichtete Argumentationen und befassen sich mit der strategischen Positionierung des Redners. Sie sorgen für mediengerechte Zitate und soundbites und sind längst auch Experten für die Inszenierung von Rednern, sie bereiten Präsentationen vor und organisieren Events. Obwohl Redenschreiber Kommunikations­prozesse entscheidend beeinflussen, rücken sie aber nur selten in den Fokus der Forschung. Das will die Tagung ändern, indem sie folgende Themen adressiert:

      • Texttheorie des Redenschreibens
      • Argumentation in der Rede
      • Welche Redegattungen sind für die Rhetorik besonders wichtig?
      • Persuasion und Propaganda in Reden
      • Geschichte des Redenschreibers
      • Berufsprofil „Redenschreiber“ – Selbstverständnis und Trends
      • Ausbildung – Neue Anforderungen an Redenschreiber?
      • Was bedeutet Redekompetenz und wie kann diese in Trainings vermittelt werden?
      • Neues Verhältnis zwischen Rednern und Redenschreibern?
      • Reden in der Politik
      • Redenschreiben und Ethik: Akademisches Ghostwriting, verdeckte Werber, sog. „Influencer“ in sozialen Medien, usw.
      • Psychologie des Redens
      • Rede in der integrierten Kommunikation
      • Rhetorik 2.0 – Redenschreiben und soziale Medien
      • Aufführungsbedingungen der Rede
      • Reden halten als Präsentation – vom klassischen Setting zur Eventisierung
      • Geht es noch ohne Powerpoint, Keynote oder Prezi? Medieneinsatz beim Redenhalten
      • Rhetorik und Wirkungsforschung

      [Sa|Tü|R] 2017 heißt explizit alle diejenigen zu den Gesprächen in Tübingen willkommen, die sich in Praxis und Theorie aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema „Reden schreiben – Reden halten“ auseinandersetzen möchten, sich mit den aufgeworfenen Fragestellungen und Themen beschäftigen und die Tagung mit neuen Aspekten bereichern wollen. In diesem Jahr laden wir außerdem dazu ein, praktische, interaktive Workshops anzubieten!

      Mögliche Formate
      Vortrag:          30 Min. + 15 Min. Diskussion
      Workshop:      90 Min.
      Diskussion:     60 Min.

      Termin
      Donnerstag, 1. Juni (ab 14 Uhr) bis Samstag, 3. Juni 2017 (14 Uhr).

       

      Einreichung von Abstracts bis 1.03.2017
      Sie können bei der Einreichung Ihrer Themeneinsendung einen bevorzugten Tag nennen, allerdings werden die Vorträge wohl nach thematischen Sektionen geordnet.

      Themeneinsendungen mit kurzem Abstract (150 Worte und kurzer Vita) werden bis zum 1. März 2017 unter http://satuer2017.rhetorikforum.de erbeten.

      Teilnahmegebühr
      50,00 EUR            Berufstätige
      25,00 EUR            Mitglieder des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache und des Rhetorikforums
      25,00 EUR            Studierende und DoktorandInnen

    • Tagungsort

      Brechtbau
      Wilhelmstraße 50
      72074 Tübingen
    • Veranstalter / Kontakt

      Die Konferenz findet in Kooperation zwischen dem
      Rhetorikforum, dem
      Seminar für Allgemeine Rhetorik, und dem
      Verband der Redenschreiber deutscher Sprache statt.

      Veranstalter:
      Prof. Dr. Joachim Knape, Prof. Dr. Olaf Kramer, Prof. Dr. Dietmar Till
      Seminar für Allgemeine Rhetorik
      Wilhelmstraße 50
      72074 Tübingen

      Kontakt zur Organisation:
      Pia Engel
      Seminar für Allgemeine Rhetorik
      Wilhelmstraße 50
      72074 Tübingen
      pia.engel@uni-tuebingen.de

    • Vortragende

      Katie Böhme, Beate Lichtwald, Nicole Schwäbe: Die Rede in der internen Unternehmenskommunikation (Workshop)

      Lorenz Brockmann: Mäeutik des Redeschreibens – Politisches Redecoaching in der Praxis

      Sine Carlsen, Henrik Juel: Teaching the Magic of Speech (Workshop)

      Simon Drescher: Reden halten als Moment rhetorischer Intersubjektivität

      Isa Fünfhausen: Trump als Hassredner?

      Tomma Galonska: Die Rede und ihre somatische Erfahrung (Workshop)

      Gerhard Gieschen: Speaker als Beruf. Wie Sie mit Reden Geld verdienen

      Michael Hoppmann: Pathetische Etymologie: Die Wirkung von Sprachebenen in der Rede

      Rafał Jakiel: Die rhetorischen suasoriae und die popkulturellen Modifikationen der geschichtlichen Ereignissen und Reden

      Gregor Kalivoda: WERBUNG – IMAGE – EVENT: Zu Rhetorik und Ethik der Public relations

      Walther Kindt: Was man beim Schreiben, Halten und Rezipieren von Reden über Argumentationen wissen sollte

      Alexander Kirchner: „Klatsch! Klatsch! Klatsch!“ – Beifall und „Claptraps“ in der Rede

      Nadia Koch: Der wissenschaftliche Vortrag: Gattungsprobleme

      Olaf Kramer, Thomas Susanka: Interesse statt Vernunft. Die Inaugurationsrede Trumps im Kontext der Gattungstradition

      Viktorija Romascenko: Die Ars des Witzes: Das Geheimnis einer humorvollen Rede

      Martin Roos: Redenschreiben ist Redenhalten (Redenschreiben im Beruf) und Workshop: Redenschreiben für Wirtschaft (Geschäftsführer/Vorstände/Aufsichtsräte)

      Kathrin Schelling: Redeangst-Bewältigung im Rhetoriktraining

      Tobias Schmohl: Die moderne Vorlesung: Ein akademisches Redeformat?

      Frank Schuhmacher: Die ganz große Geste: Wie Mussolini sich in Szene setzt

      Bahdana Shkliar: Hassrede im Deutsch-Russischen Vergleich

      Peter Sprong: Nehmen Sie Haltung an – am besten die eigene

      Dietmar Till: Reden schreiben – Reden halten: Das Beispiel Hitler

      Céline Wieders-Lohéac: Erbauliche Worte – Predigten in der Frühen Neuzeit

      Astrid Zapf: Was bedeutet Redekompetenz? Wie kann diese in Trainings vermittelt werden?

  • Die Anmeldung ist spontan vor Ort möglich.
    Bitte bringen Sie die Teilnahmegebühr (50 Euro / erm. 25 Euro) in bar mit.

  • Abstracts der Vorträge und Workshops (alphabetische Ordnung)

    Katie Böhme, Beate Lichtwald, Nicole Schwäbe

    Die Rede in der internen Unternehmenskommunikation (Workshop)

    Die Rede, originäres Gravitationszentrum rhetoriktheoretischen und -praktischen Interesses, spielt in der modernen Unternehmenskommunikation eine nach wie vor große Rolle – trotz und gerade auch wegen der zunehmenden Digitalisierung. Dieser Workshop widmet sich der Rede aus Sicht der internen Kommunikation. Konkret geht es darum, wie der klassische rhetorische Ansatz in der internen Unternehmenskommunikation praktisch angewandt werden kann. Teilnehmer lernen typische Redesituationen des Firmenalltags kennen und erfahren, welche Rolle die Rede als Einzelmaßnahme im gesamten internen Kommunikationsmix spielt. Außerdem untersuchen wir, wie sich die digitalen Medien auf Rede und Textbausteine auswirken und beleuchten Rolle und Bedeutung des Orators im Unternehmenskontext. Danach ermitteln die Teilnehmer Zielgruppen und Instrumente, besprechen das Zusammenspiel der verschiedenen Oratoren im Unternehmen und erarbeiten anhand von Praxisbeispielen, wie integrierte Kommunikation mit Hilfe des rhetorischen Instrumentariums erfolgreich gelebt werden kann. Der Workshop richtet sich insbesondere an Studierende und Young Professionals mit berufspraktischem Interesse an der internen Unternehmenskommunikation.

    Frank Brettschneider

    Verständlichkeit von Reden

    Nur wer verstanden wird, kann auch überzeugen. Aber die Verständlichkeit der Kommunikation von Parteien, Unternehmen und Verwaltungen lässt oft zu wünschen übrig. Häufige Verständlichkeits-Hürden sind Bandwurmsätze, abstrakte Begriffe, zusammengesetzte Wörter und nicht erklärte Fachbegriffe.

    Die formale Verständlichkeit von Reden lässt sich mit einer Verständlichkeits-Software berechnen. Sie ermittelt den Hohenheimer Verständlichkeits-Index. Er reicht von 0 (unverständlich) bis 20 (sehr verständlich). Demnach werden die Reden der Vorstandsvorsitzenden auf den Hauptversammlungen der DAX-30-Unternehmen immer verständlicher. Im Schnitt erreichten sie 2016 14,3 Punkte auf dem Hohenheimer Index – das sind 1,3 Punkte mehr als 2015 und zwei Punkte mehr als 2014.

    Die formale Verständlichkeit ist aber nicht das einzige Kriterium, von dem die Güte einer Rede abhängt. Wichtiger noch sind der Inhalt, der Aufbau der Rede und der Vortragsstil. Aber: Formal verständliche Botschaften werden von den Zuhörern besser verstanden und besser erinnert. Zudem sind die Zuhörer eher in der Lage, die Kernbotschaft einer Rede wiederzugeben.

    Lorenz Brockmann

    Mäeutik des Redeschreibens – Politisches Redecoaching in der Praxis

    Wer Politiker ist oder werden will, muss noch lange kein guter Redner sein. Dabei sind die kommunikativen Herausforderungen an Politikerinnen und Politiker – insbesondere in Wahlkampfzeiten – besonders hoch. Oft entscheidet ein einziger Redeauftritt über den Erfolg oder Misserfolg jahrelanger Vorarbeit, etwa bei Nominierungen oder Listenaufstellungen.

    Viele suchen hier die Unterstützung von professionellen Redecoaches. Lorenz Brockmann bereitet Politikerinnen und Politiker auf solche Redesituationen vor und verfolgt dabei einen mäeutischen Ansatz: Redeschreiben als Hebammenkunst. Politische Reden entstehen hier nicht auf dem Papier, sondern im Zusammenspiel zwischen Coach und Kandidat. Der Coach ist im besten Sinne Begleiter und Hebamme und führt den Kandidaten von der Rede-Strategie über Struktur und Text zur frei vorgetragenen Rede.

    Sine Carlsen, Henrik Juel

    Teaching the Magic of Speech (Workshop)

    At Roskilde University we have developed a uniquely oral and phenomenological approach to teaching Speech. First steps are not writing manuscripts, but – perhaps surprisingly – actio.

    We start out with on-the-floor exercises showing students how to establish contact and live communication with actual audiences. One advantage of this is that body-language and voice are not artificially added after writing a text, but integrated and aptly developed (aptum).

    Next steps include instruction and immediate lively trial of classical rhetorical structures, types of appeals and phases. The students collaborate on developing their own individual potentials as well as their analytical skills in evaluating rhetorical performances, e.g. in modern media.

    We would like to demonstrate our special Speech-line method, and how we work with actio as also an intellectual tool. Furthermore we want to reflect upon the theoretical background in phenomenology and pedagogy, and to open up for discussion with colleagues.

    Die Workshop-Sprache ist sowohl Englisch als auch Deutsch.

    Simon Drescher

    Reden halten als Moment rhetorischer Intersubjektivität

    Eine fundamentalrhetorische Betrachtung unter Rekurs auf Davidsons Intersubjektivitätsphilosophie

    Der Beitrag befasst sich mit fundamentalrhetorischen Gedanken zum Raum der Intersubjektivität, der in der besonderen sozialen Situation einer gehaltenen Rede entsteht. Ausgang der Überlegungen bildet die philosophische Intersubjektivitätstheorie Donald Davidsons, die Überzeugungen einen grundsätzlich öffentlichen Charakter zuspricht und Kommunikation zum Ausgangspunkt aller Meinungen und allen Wissens macht. Nur durch das kommunikative Zusammenspiel zweier Erkenntnissubjekte mit einem Bezugspunkt der gemeinsamen Welt, welches Davidson als ‚Triangulation‘ bezeichnet, verfügen Subjekte überhaupt über die Möglichkeit, Überzeugungen auszubilden.

    Vor diesem Hintergrund soll das Halten einer Rede als rhetorischer Prototyp eines solchen triangulären Prozesses behandelt werden. Die Interaktion zwischen Orator und Adressat lässt sich als Basis triangulären Verhaltens auffassen, welche durch einen gemeinsamen Bezug zur verhandelten Sache komplettiert wird. So entsteht eine rhetorisch konstituierte, das heißt vom Orator strategisch erzeugte, gemeinsame Wirklichkeit, die zum Geltungsraum des Überzeugungshandelns wird. Die Charakteristik rhetorischer Intersubjektivität soll damit anhand des Tagungsthemas näher beleuchtet werden.

    Isa Fünfhausen

    Trump als Hassredner?

    Donald J. Trump gilt als eine der umstrittensten Persönlichkeiten unserer Zeit. In seinem Wahlkampf nutzte er gezielt rhetorische Kommunikationsverfahren der Irritation und Verunsicherung, um seine machtpolitischen Tele zu erreichen. Immer wieder fällt er dabei durch besonders hohe Offensivität und Radikalität auf – sowohl gegenüber seinen politischen Gegnern, als auch gegenüber ganzen Bevölkerungsgruppen. Waren Trumps Wahlkampfreden also Hassreden? Sind diese noch im rhetorischen System, d.h. im gesellschaftlich akzeptierten Bereich anzusiedeln oder befinden wir uns hier schon auf dem Gebiet kriminell-kommunikativer und manipulativer Propaganda? Im Rahmen dieser Überlegungen wird der Begriff der Hassrede gegenüber ähnlichen Phänomenen abgegrenzt. Anschließend soll die Analyse von Wahlkampfreden Trumps zeigen, ob diese als Hassreden eingestuft werden können. Dabei wird sich auch auf gängige und anerkannte Verhaltensmuster im US-amerikanischen Wahlkampf berufen. Schließlich wird diskutiert, ob der derzeitige Präsident der USA rhetorik-theoretisch als Hassredner bezeichnet werden kann.

    Tomma Galonska

    Die Rede und ihre somatische Erfahrung (Workshop)

    Ausgehend von der These, dass ein Publikum Inhalte »nicht allein kognitiv, sondern unter Beteiligung des ganzen Körpers wahrnimmt«[1], lädt dieser Workshop dazu ein, die somatische Rückkoppelung zwischen Redner_In und Zuhörerschaft zu untersuchen. Forschungen zur somatischen Erfahrung beim Einsatz neuer Medien werden ebenfalls erörtert, um von da aus die Bedeutung der physischen Aspekte eines Vortragskonzeptes zu betrachten.

    Anschließend wird anhand von praktischen Übungen und weiterführenden Arbeitstechniken aufgezeigt, wie die Rolle des Körpers im Sinne einer physischen Gestaltung von Rede gestärkt werden kann: Nicht allein Gestik und Blicke des / der Vortragenden, auch inneres und äußeres Tempo, die Körpertonalität, der vorbereitende Impuls und das Ausklingenlassen einer Formulierung und nicht zuletzt Momente der Stille beeinflussen die somatische Kommunikation zwischen Podium und Parkett…

    [1] Vergl. Morsch, Thomas: Medienästhetik des Films. Verkörperte Wahrnehmung und ästhetische Erfahrung im Kino. Wilhelm Fink Verlag, München (2011). S 14 ff. Morsch geht in dieser Studie vielfach auf die leibphilosophisch fundierte Theorie Maurice Merleau-Pontys ein, in der die Verschränkung von Körper und Wahrnehmung thematisiert wird.

    Gerhard Gieschen

    Speaker als Beruf. Wie Sie mit Reden Geld verdienen

    Im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern wird der Speaker in Deutschland häufiger als Berufung denn als Beruf gesehen und wer sich als Speaker selbstständig machen möchte, steht vielen Fragen gegenüber, die kaum jemand beantworten kann. Denn Speaker ist kein offizielles Berufsbild und Informationen über die Inhalte, die Belastungen, die Erfolgsfaktoren und die Honorargestaltung sind dünn gesät. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass zwar knapp 10 % aller Speaker über 100.000 Euro verdienen, dafür aber fast ein Drittel weniger als 30.000 Euro verdient.

    Dieser Vortrag gibt konkrete Antworten aus der Praxis eines Speakers:

    Wie kann ich davon leben?

    Welche Honorare sind angemessen?

    Was sind die Voraussetzungen für den Beruf des Speakers?

    Wie gewinne ich meine Kunden?

    Muss ich wirklich jedes Jahr ein neues Buch schreiben, um als Speaker gesehen zu werden?

    Wie hoch ist die Belastung?

    Mit wie viel Vorträgen pro Jahr muss ich rechnen?

    Claudia Gruhn

    Redenschreiber im Unternehmen

    Wer schreibt die Reden für große Konzerne und mittelständische Betriebe? Wie entsteht eine Rede im Unternehmen? Welchen Anteil hat der Redenschreiber an der fertigen Rede? Welches Anforderungsprofil ist an einen Redenschreiben gerichtet und unterscheiden sich festangestellte und freiberufliche Redenschreiber? Auf Fragen wie diese wird im Vortrag, unter Bezugnahme auf empirische Untersuchungen, Auskunft gegeben. Ergänzt wird eine theoretische Diskussion: Wie lassen sich Spezifikum und Leistung des Redenschreibers in einem rhetorischen Blickwinkel beschreiben?

    Michael Hoppmann

    Pathetische Etymologie: Die Wirkung von Sprachebenen in der Rede

    Jüngere Forschungsarbeiten zur rhetorischen Stilistik im Englischen (z.B. J. Fahnestock: Rhetorical Style, 2011) haben maßgebliche Fortschritte in unserem Verständnis des Einflusses von Wortwahl auf Rederezeption mit sich gebracht. Mit Hilfe einer etymologischen Analyse der jeweiligen lexikalischen Schicht lassen sich klare Korrelationen zwischen Wortherkunft und emotionaler Konnotation herausarbeiten. Obwohl es sich beispielsweise bei den Begriffen asking (germ.), questioning (franz.) und inquiring (lat.) oder holy (germ.), sacred (franz.), consecrated (lat.) um nahezu vollständige Synonyme handelt, lassen Worte mit germanischer Wurzel die Rede klarer und ehrlicher, erscheinen, Worte mit französischer Wurzel führen zu einer Wahrnehmung als elegant und gehoben und lateinische Wortursprünge wirken formaler und differenzierter. Diese Effekte lassen sich im Englischen empirisch klar belegen und sind von zentraler Bedeutung für Redner und Redenschreiber. Gibt es vergleichbare Ebenen und Effekte auch im Deutschen?

    Rafał Jakiel

    Die rhetorischen suasoriae und die popkulturellen Modifikationen der geschichtlichen Ereignissen und Reden

    Das Haupanliegen meiner Arbeit ist die Darstellung der in der Popkultur vorkommenden Modifikationen der historischen und quasi-historischen (erdachten) Tatsachen im Kontext der persuasiven Kommunikation. Zu besprechen sind die möglichen, wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen, denkbaren und undenkbaren, zeitgenössischen (aktuellen) und vergangenen Situationen und ausgewählten Komponenten der politischen Kommunikation, die in den populären, audiovisuellen Werken aufgeführt werden. Die rhetorischen suasoriae möchte ich als eines der genera orationis darstellen (Beratungsrede, genus deliberativum), obwohl meine Beispiele nicht immer die kommenden Ereignisse betreffen oder als solche eingestuft werden können, was für manche Forscher als Grundvoraussetzung beim Bestimmen der Arten der Rede gelten kann. Meine Beobachtungen möchte ich am Beispiel der amerikanischen Spielfilme und US-Fernsehindustrie illustrieren (u.a. „Braveheart“ „Herr der Ringe“, „Chroniken von Narnia“, „2012“, Abraham Lincoln Vampirjäger“, „Sleepy Hallow“, „Duck-Tales. Geschichten aus Entenhausen“).

    Gregor Kalivoda

    WERBUNG – IMAGE – EVENT: Zu Rhetorik und Ethik der Public relations

    Mit Begriffen wie Imagepflege, PR, Marketing, Werbung oder Event ist ein noch unscharf konturiertes Feld öffentlicher Kommunikation und Selbstdarstellung aufgerufen, in dem unternehmerische oder institutionelle Botschaften einerseits und Kunden- oder Rezipientenerwartungen andererseits ein dialogisches Geflecht bilden, in dem sich Wunsch und Warenpräsentation, Verkaufsinteressen und Bedürfnisdispositive begegnen und auf Vorteil oder Befriedigung streben. Und dies ist ein Feld, in dem die Rhetorik als analytische Disziplin und als Technik, als praktische Fertigkeit erkenntnis- und handlungsanleitend virulent wird. Sie bestimmt und formiert maßgeblich die öffentlichen Kommunikations- und Persuasionsprozesse, die gesellschaftlichen Verkehrsformen und damit auch die sprachliche Ausdrucksseite des ökonomischen Prozesses – also die Sprechereignisse der Werbung, der inner- und außerbetrieblichen Interaktion oder der public relations.

    Walther Kindt

    Was man beim Schreiben, Halten und Rezipieren von Reden über Argumentationen wissen sollte

    Argumentationen sind ein zentraler Bestandteil von Reden. Allerdings erfährt man in Rhetoriklehrbüchern und Ratgebern viel zu wenig über theoretische Grundlagen und sprachliche Realisierungen von Argumentation. Überdies sind die dortigen Aussagen und Beispielanalysen häufig fehlerhaft. In dem Vortrag soll ein Überblick gegeben werden über die wichtigsten theoretischen, methodischen und praktischen Aspekte einer fundierten Formulierung und kritischen Analyse von Argumentationen. Dabei geht es u.a. um folgende Fragen. In welchen Teilen einer Rede sind welche Arten von Argumentationen erwartbar? Welche argumentationsrelevanten Sprechhandlungen muss man unterscheiden? Aus welchen Komponenten besteht eine elementare Argumentation und an welchen sprachlichen Indikatoren kann man sie er-kennen? Welche alltagslogischen Schlussmuster sind besonders wichtig und welche sprachlichen Formulierungen gibt es für sie? Welche Informationen liefert eine auf heutigen Erkenntnissen basierende Topostheorie? Übergeordnetes Ziel des Vortrags ist es zu demonstrieren, dass die Ergebnisse der neueren Argumentationsforschung es erlauben, Argumentationen und ihre sprachliche Realisierung präziser anzulegen und zu reflektieren als bisher.

    Im Anschluss folgt nach einer Pause der Workshop „Datensitzung mit gemeinsamer Analyse einer politischen Rede auf Grundlage der im Vortrag dargestellten Verfahren“ im selben Raum.

     

    Alexander Kirchner

    „Klatsch! Klatsch! Klatsch!“ – Beifall und „Claptraps“ in der Rede

    Inwiefern eine rednerische Leistung dem Publikum gefällt oder missfällt, dokumentiert sich gemeinhin im anschließenden Beifall. Von „müde“ bis „minutenlang“ reichen die Adjektive, um seine Qualität einzuschätzen; der stenografische Dienst des Bundestages verfügt gar über eine eigene Nomenklatur für diese Klammerbemerkungen. Applaus als hörbarer Ausdruck von Zustimmung zu einer Rede wird ein hoher Grad an Glaubwürdigkeit zugeschrieben.

    Der Beitrag widmet sich zum einen kulturgeschichtlich dem nebensächlichen Phänomen des „Beifalls“. Wie wird geklatscht, warum wird geklatscht, und wo wird nicht geklatscht? Zum anderen werden sogenannte „Claptraps“ vorgestellt, also rhetorische Stilmittel, wie sie insbesondere in der politischen Rede und Propaganda eingesetzt werden, um das Klatschen zu forcieren. Schließlich geht es auch um die Frage, weshalb eine auf Applaus abzielende Rhetorik einen gewissen Argwohn auslöst.

    Nadia Koch

    Der wissenschaftliche Vortrag: Gattungsprobleme

    Eine Sonderform der Rede im Kontext der Wissenschaften ist der Fachvortrag. Heute ist er aber keineswegs eine feste Größe, sondern im raschen Wandel begriffen: War es früher noch gang und gäbe, dass Wissenschaftler ihre Thesen im festlichen Rahmen des Abendvortrags einem geneigten Publikum zur Diskussion stellten, so wächst dem wissenschaftlichen Vortrag nun eine neue Rolle im Agon der globalisierten Wissensgesellschaft zu: Als Ausweis wissenschaftlicher Expertise oder gar Exzellenz steigert oder vernichtet der Vortrag die Aussicht auf einen Studienabschluss, eine Mittelbewilligung, eine Berufung, einen Lehrpreis. Da eine Zuordnung des Fachvortrags in die drei Redegenera nicht leicht fällt, lassen sich über die partes artis hinaus kaum spezifische Anleitungen zum wissenschaftlichen Redenschreiben formulieren. Denn in der Praxis ist es die jeweilige Fachkultur, die sich als Maßstab des Erfolges erweist: Fordern einige Disziplinen von ihren Vortragenden mittlerweile ein medial elaboriertes Gesamtkunstwerk, beharren manche noch auf der puristischen Wissensvermittlung mit Wort und Tafel allein. Fallbeispiele aus Kultur‐ und Naturwissenschaft sollen zeigen, welche unterschiedlichen Ideale von Expertentum Vorträge zum Ausdruck bringen können und welche Medien dabei Vorrang haben.

    Olaf Kramer, Thomas Susanka

    Interesse statt Vernunft.

    Die Inaugurationsrede Trumps im Kontext der Gattungstradition

    Die Inaugurationsrede ist ein rhetorischer Fixpunkt amerikanischer Präsidenten. Sie gilt als inhaltlich-programmatisches Manifest für die kommenden vier Jahre, will dabei aber auch bereits die Tonalität der kommenden Präsidentschaft exemplifizieren. Dabei stehen Inaugurationsreden immer auch im Kontext ihrer Vorgänger und so ist der Redner in ihrer Ausgestaltung auch nicht vollkommen frei. Vielmehr muss er über die spezifische Aktivierung und Ausdeutung verschiedener amerikanischer Motive und Topoi (u.a. American Exceptionalism, City upon a Hill, Frontier Spirit, Manifest Destiny, The American Dream, die Beschwörung amerikanischer Einheit etc.), sein präsidentielles Programm legitimieren.

    Gleichzeitig müssen die Reden immer auch vor dem Hintergrund der aktuellen Medienlandschaft entwickelt werden, denn längst ist der zentrale Adressat nicht mehr allein das anwesende Publikum. Vor diesem Hintergrund soll im Vortrag Donald Trumps Inaugurationsrede im Rückblick auf seine historischen Vorredner untersucht werden.

    Viktorija Romascenko

    Die Ars des Witzes: Das Geheimnis einer humorvollen Rede

    Eine humorvolle Rede hält die Zuhörer einer Business-Präsentation wach, Hochzeitsgäste bei guter Laune, und sorgt für die wertvollen ‚Clicks‘ bei einem Online-Video. Mit einem witzigen Kommentar kann man auf eine gesellschaftlich akzeptierte Weise Kritik äußern und trotzdem ein positives Bild von sich selbst konstruieren. Die Vorteile von humorvollen Reden sind zahlreich, allerdings sind witzige Reden eine Herausforderung für den Redeschreiber. Die Schwierigkeit fängt bei der Erfindung des Humors an. Wie findet man den passenden Witz für die Rede? Witzproduktion lässt sich sehr schwer nach Bedarf erzwingen. Muss man auf die Inspiration warten, kann man nach passenden Witzen gezielt suchen, oder gibt es vielleicht eine Humor-Formel, durch die sich der Prozess automatisieren lässt? Das Ziel des Vortrages ist zu klären, ob es eine Ars der witzigen Rede gibt oder das ein Bereich ist, der ausschließlich von Natura gesteuert wird. Die Antwort auf diese Frage wird sowohl in der Theorie der Rhetorik, als auch in Ratgebern und Erfahrungsberichten gesucht.

    Dr. Martin Roos

    Redenschreiben ist Redenhalten (Redenschreiben im Beruf)

    Der Vortrag orientiert sich an meinem im Herbst 2016 erschienen Buch „Mach’s Maul auf – eine Kurzanleitung zum Redenschreiben“. www.grupello.de/verlag/anzeigen/isbn/978-3- 89978-266-0/session//ident// Meine Überzeugung ist: Jeder kann eine Rede halten. Drei Dinge hindern einen daran: 1. Die Angst. 2. Das fehlende Wissen, wie eine Rede aufgebaut ist. Und 3. Ein paar Tricks für die tatsächliche Redesituation. Um diese drei Elemente soll es in meinem Vortrag gehen. Ziel: Nach 30 Minuten ist mehr oder weniger jeder davon überzeugt, dass er eine Rede halten kann.

    Dr. Martin Roos

    Redenschreiben für Wirtschaft (Geschäftsführer/Vorstände/Aufsichtsräte) (Workshop)

    Redenschreiben für die Wirtschaft ist für Redenschreiber am lukrativsten. Der Bedarf ist enorm hoch – und die Qualität der Reden immer noch oder gerade deswegen schlecht). Als Redenschreiber und Ghostwriter für die Wirtschaft möchte ich in diesem Workshop zunächst grundsätzliche Informationen für den Typus „Wirtschaftsrede“ vermitteln. Ich will über die Erwartungen der Kunden und die Herausforderungen für den Redenschreiber sprechen. An Beispielen sollen die Teilnehmer üben, Teile einer Rede (Anrede/Einleitung/Schluss) für die Hauptversammlung eines börsennotierten Unternehmens oder für Experten der Industrie- und Handelskammer oder einer Wirtschaftsvereinigung zu schreiben.

    Jacqueline Schäfer

    Von der Verantwortung der Redenschreiber

    Redenschreiben ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Es geht nicht allein darum, Rednerinnen und Redner mit eleganten Formulierungen und wohlgewählten Zitaten glänzen zu lassen. Auch eine Analyse des Umfeldes – vom Publikum bis zur Konkurrenz – ist erforderlich, um Taktlosigkeiten und Angriffsflächen zu vermeiden. Beim Redenschreiben ist zudem nicht nur Handwerk, sondern auch Haltung gefordert.

    Kathrin Schelling

    Redeangst-Bewältigung im Rhetoriktraining

    Weiche Knie, zittrige Hände, brüchige Stimme, Herzrasen – und mit jedem Augenpaar, das sich nach dem Pult umwendet, wird es nur noch schlimmer. Redeangst (speech anxiety) erweist sich nicht nur in Vortragssituationen als hinderlich für eine souveräne und überzeugende Performanz, sondern blockiert schlimmstenfalls sogar von vornherein, indem sie den Redner bzw. die Rednerin so grundlegend hemmt, dass er bzw. sie zwar durchaus das Bedürfnis verspürt, der eigenen Meinung soziale Geltung zu verschaffen, es jedoch nicht wagt, auch tatsächlich kommunikativ in Erscheinung zu treten.

    Kein Wunder also, dass der Abbau von Redeangst zu den typischen Gründen für die Teilnahme an einem Rhetoriktraining zählt. Das Problem dabei? Redeangst im eigentlichen Sinn stellt eine Angststörung dar, die durch ein auf einige wenige Termine begrenztes Trainingsprogramm nicht bewältigt werden kann; hierzu bedarf es vielmehr psychotherapeutischer Betreuung über einen längeren Zeitraum hinweg. Aber leiden wirklich alle, die Angst davor haben, als RednerIn aufzutreten, auch wirklich unter Redeangst?

    Der Vortrag befasst sich mit Auslösern, Symptomatik und Auswirkungen der Redeangst auf die rhetorische Kompetenz eines Redners bzw. einer Rednerin – und mit der Frage, was hinsichtlich der Bewältigung eventueller Ängste im Rahmen eines Rhetoriktrainings geleistet werden kann und sollte, um eine möglichst souveräne Performanz zu gewährleisten.

    Thomas Carl Schirren

    Vom Winkellogographen zum panhellenischen Publizisten: Isokrates von Athen

    Isokrates von Athen hat den diffamierten Beruf des Logographen bald aufgegeben und sich zunächst als Redelehrer, dann aber auch als politischer Lehrer von Griechenland profiliert. Seine Reden, die nicht aufgeführt wurden, zählen zu den ersten politischen Sendschreiben. Als Redenschreiber in eigener und allgemeiner Sache sieht er sich in der besonderen Aufgabe, Rhetorik als Philosophie zu betreiben und philosophierende Schüler hervorzubringen. Der Vortrag möchte die sophistische Tradition dieses Lehrers und dieser Lehre freilegen und auf die besondere Rolle des gesellschaftlich agierenden Intellektuellen, den Isokrates geradezu erfunden hat, eingehen.

    Tobias Schmohl [abgesagt]

    Die moderne Vorlesung: Ein akademisches Redeformat? [abgesagt]

    Der akademische Lehrvortrag ist ein klassisches Format der Hochschullehre. Aber sind Vorlesungen an den Universitäten der Zukunft noch zeitgemäß? Zunehmend wird in den Hörsälen mit digitalen Präsentations- und Vermittlungsformen der Hochschullehre experimentiert. Science Notes, Ted Talks oder Science Slams sind Schlaglichter dieser Entwicklungen. Zugleich steht diesen Versuchen, vom „klassischen“ Format der Vorlesung abzuweichen, aber kein wissenschaftlich fundierter Rahmen entgegen: Die Vorlesung ist seit den Impulsen der 1960er Jahre als Gegenstand wissenschaftlicher Reflexion kaum mehr Thema. Forschung zu Vorlesungen, aus denen sich theoretische Impulse ergeben würden, fehlen fast gänzlich. Welche rhetorischen Mechanismen sind etwa bei der Konzeption und Durchführung von Vorlesungen am Werk und was genau wird damit bewirkt? Bestehende Forschungsbeiträge zu Vorlesungen sind meist empirisch-sozialwissenschaftlich oder hochschulpädagogisch ausgerichtet und zielen auf akute Problembearbeitungen ab. Was aber fehlt, sind sowohl eine ganzheitliche Betrachtung (Tremp, 2009, S. 211) als auch eine tragfähige theoretische Rahmung (Friesen, 2011, S. 100), die sich auf empirische Erkenntnisse stützt und dabei neben kommunikationstheoretischen und rhetorischen insbesondere auch didaktische und wissenstheoretische Aspekte mitberücksichtigt. Der Beitrag stellt die Grundidee eines hochschulübergreifenden Verbundprojekts vor, in dem Vorlesungen erstmals aus einer rhetorischen und didaktischen Perspektive wissenschaftlich beleuchtet werden sollen.

    Literatur

    Friesen, N. (2011). The lecture as a transmedial pedagogical form: A historical analysis. Educational Researcher, 40 (3), 95–102.

    Tremp, P. (2009). Hochschuldidaktische Forschungen. Orientierende Referenzpunkte für didaktische Professionalität und Studienreform. In R. Schneider, B. Szczyrba, U. Welbers & J. Wildt (Hrsg.), Wandel der Lehr- und Lernkulturen (Blickpunkt Hochschuldidaktik, Bd. 120, S. 206-219). Bielefeld: Bertelsmann.

    Frank Schuhmacher

    Die ganz große Geste: Wie Mussolini sich in Szene setzt.

    Der Faschismus hat sich ins kollektive Gedächtnis der Italiener präzise eingebrannt: Mussolini steht auf einem Balkon und redet zu den wogenden Massen unten auf dem Platz (Isnenghi, 1997: 50). Die Performanz und Gestik Mussolinis, die Inszenierungsabläufe, die Proxemik als rhetorischer Faktor und ihr Zusammenwirken sind in der Forschung bisher wenig beachtet. (=> oratoria di piazza, Müller, 2006: 71). Diese Aspekte bilden jedoch zusammen einen komplexen strategischen Propaganda Apparat. Anhand von zwei Wochenschaudokumenten möchte ich die genannten Punkte exemplarisch analysieren und zeigen, welche semiosischen Synergieeffekte sich daraus ergeben können. Mein leitendes Erkenntnisinteresse soll die These sein, dass sich anhand der filmischen Aufzeichnungen der Wochenschau LUCE zeigen lässt, wie Mussolini im Laufe der Jahre eine performative Wende durch ein höheres Medienbewusstsein vollzogen hat.

    Literatur: Isnenghi, Mario (1997): La Piazza. In: I Luoghi della Memoria. Stutture ed eventi dell’Italia unita. A cura di Isnenghi Mario. Roma/Bari, P. 41-52. Müller, Frank E. (2006): Aspekte der Rhetorik von Mussolini – die ‚oratoria di piazza‘. In: Retorica. Ordnung und Brüche. Rita Fransceschini et al (Hg.). Tübingen, S. 71- 87.

    Bahdana Shkliar

    Hate Speech – Rassistische Hassrede im Deutsch-Russischen Vergleich

    Heutzutage kommt es in vielen europäischen Ländern zu einem rasanten Aufschwung von rechtsextremistischen und rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen, die über explizite und auch implizite hate speech-Botschaften ihre Ziele zu realisieren versuchen. Die agierenden Kommunikatoren verstoßen dabei häufig gegen den rhetorischen Ansatz und bewegen sich im Bereich der Manipulation. Betrachtet man die bisherigen Forschungen im Bereich hate speech, so fällt auf, dass der Fokus vor allem auf der Betroffenenperspektive (der Perspektive des Adressaten), somit auf den Wirkungsaspekten und der Frage der Regulierung von hate speech lag. Bis jetzt liegen aber keine rhetorischen Untersuchungen des Phänomens hate speech vor. Auch komparatistische Arbeiten zum Thema fehlen, die die deutschen und russischen Verhältnisse in den Blick nehmen.

    In Deutschland gehören vor allem die islamkritische Bewegung PEGIDA, die rechtspopulistische Partei AfD und rechte Kleinparteien zu rassistischen Stimmungsmachern, während in Russland in erster Linie die antikaukasische und antimuslimische Bewegung „Hvatit kormit‘ Kavkaz“ zu erwähnen ist. In letzter Zeit gewinnen die rassistischen hate speech-Bewegungen in beiden Ländern immer mehr Anhänger. Die für die Rhetorik relevante Fragestellung lautet hier: Wie gelingt es den agierenden Kommunikatoren immer mehr Menschen in ihren Bann zu ziehen und inwiefern liegt hier überhaupt der rhetorische Fall vor?

    Im Vortrag soll den folgenden Fragen nachgegangen werden:

    1) Gibt es spezifische Hasstextsorten und Hassredegattungen, derer sich hate speech-verbreitende Kommunikatoren bedienen?

    2) Wie kann man die Kommunikatorrolle des Hassredners beschreiben?

    3) Wodurch zeichnet sich moderne rassistische hate speech in Deutschland und Russland aus? Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten lassen sich finden?

    Peter Sprong

    Nehmen Sie Haltung an – am besten die eigene (Workshop)

    Gute Redner, sagt Aristoteles, überzeugen vor allem durch ihr Ethos. Denn: Nur wenn der eigene innere Kompass zuverlässig funktioniert, können Redner/innen auch anderen Orientierung bieten – erst recht im Moment der Krise. Der Workshop diskutiert klassische Konflikte und skizziert Optionen einer ethisch reflektierten Rhetorikberatung.

    Dietmar Till

    Reden schreiben – Reden halten: Das Beispiel Hitler

    In dem Vortrag geht es um die scheinbar triviale, bislang aber noch nicht eingehender untersuchte Frage, wie Hitler seine Reden schrieb und wie er sie hielt. Denn Hitler hat fast nie aus dem Stegreif gesprochen.

    Es geht in dem Vortrag also um Fragen der Textproduktion und des Rede-Vortrags. Im Zentrum stehen dabei verschiedene Hilfsmittel wie Schemata, Manuskripte, Typoskripte, Stenographen und Sekretärinnen etc. und die Frage, welche Rolle sie bei Produktion und Performanz der einnehmen. Sollte noch Zeit sein, werde ich am Schluss einen Blick auf die zwei wichtigsten oratorischen Gegner werfen, Roosevelt und Churchill.

    Céline Wieders-Lohéac

    Erbauliche Worte – Predigten in der Frühen Neuzeit

    Eine Predigt muss stärker überzeugen als alle anderen Redeformen, da sie nicht nur von einer Sache überzeugen muss, sondern gleichzeitig auch immer von etwas Grundsätzlichem, vom (eigenen) Glauben. Sie soll den Glauben festigen bzw. erst erzeugen und dies für verschiedene Adressaten: Die Gemeinde, der die Predigt gilt, setzt sich aus Personen unterschiedlichen Bildungsstandes und Einkommens zusammen: Oft ist es nur die geografische Nähe, die die Kirchenglieder zusätzlich zur Konfession miteinander eint. Dieser Vortrag wird sich mit der Predigt in der Frühen Neuzeit befassen, insbesondere damit, welche erbaulichen Elemente für eine Predigt notwendig sind. Erbauung ist hierbei sowohl als kollektives Ereignis zu verstehen, nämlich als erbauen der Kirchengemeinde, der Ekklesia, als auch als individuelle geistliche Entwicklung. Hierzu wird kurz die Funktion der Predigt in der Frühen Neuzeit skizziert, um anschließend favorisierte Topoi und Strukturen von Predigten zu benennen. Wichtig ist, dass die Predigt innerhalb eines fest vorgeschriebenen, ritualisierten Setting, namentlich eines Gottesdienstes, stattfindet. Nur diese werden im Vortrag als Predigten behandelt.

    Astrid Zapf

    Was bedeutet Redekompetenz? Wie kann diese in Trainings vermittelt werden?

    Was ist Redekompetenz? Drei Dinge entscheiden vor allem darüber, ob eine Rede, ein Diskussionsbeitrag oder eine Projektpräsentation gelingen: 1. Wenn ich mir genau überlege, was ich weglassen sollte (Beispiel: Steve Jobs). 2. Das Wissen darum, wie ich mich einfach aber präzise ausdrücke (Beispiel: Barack Obama). 3. Wenn ich kraftvolle Bilder und Geschichten verwende (Beispiel: Norbert Lammert). Was ist mangelnde Redekompetenz? Ich hätte Gelegenheit, das Wort zu ergreifen, und tu´ es entweder gar nicht – oder ohne Gewinn für die Zuhörer. Oder: Wenn ich dem Publikum Zeit stehle und es unterschätze, zum Beispiel mit endlosen Power-Point Folien, die endlose Texte enthalten, die entsetzlich unbeteiligt vorgelesen werden… Und wie sieht ein effektives Training aus? Es vermittelt nicht nur das Handwerkszeug für Sprache, Körpersprache und Überzeugungskraft. Kompakte Theorie, Video-Analyse und Improvisation bringen Übung und Freude in das Training. Es stärkt die Persönlichkeit. Auch des Trainers Kompetenz ist vor allem: 1., 2., 3.

  • Tagungsort
    Brechtbau

    Wilhelmstraße 50
    72074 Tübingen

    Anreise

    Auto
    Sie erreichen Tübingen leicht mit dem Auto. Vor Ort benötigen Sie es in der Regel nicht, da alles fußläufig erreichbar ist. Einen Parkplatz zu finden kann dauern und in der Altstadt sind viele Bereiche für Autos (einseitig) gesperrt.
    Parkhaus, Brunnenstraße 29, 72074 Tübingen

    Flugzeug
    Der nächste Flughafen ist in Stuttgart. Mit dem Bus 828 gelangen Sie von dort direkt zum Tübinger Hauptbahnhof (ca. 1 Stunde Fahrt). Verbindungen können Sie unter www.naldo.de (Von: Stuttgart, Flughafen Stuttgart. Nach: Tübingen, Hauptbahnhof) recherchieren.

    Zug
    Der Tübinger Hauptbahnhof liegt sehr zentral. Die historische Altstadt ist in 10-15 Minuten zu Fuß erreichbar. Vor dem Bahnhof finden Sie die Omnibushaltestelle und Taxis.
    Vom Hauptbahnhof können Sie mit den Bussen 1, 2, 6, 7 oder 21 bis zur Haltestelle „Lothar-Meyer-Bau“ fahren, um zum Tagungsort zu gelangen.

    • Allgemeine Informationen zu den Vorträgen

      Für die Vorträge im Rahmen der verschiedenen Sektionen sind jeweils 30 Minuten vorgesehen. Im Anschluss an jeden Vortrag findet eine Diskussion von 15 Minuten statt, die von einem Moderator geleitet wird.

      Für die Workshops sind 90 Minuten vorgesehen.

    • Sektionsplan

 

 

Was sind die Salzburg-Tübinger-Rhetorikgespräche [sa|tü|r]?

Die Rhetorikgespräche wurden 2004 unter dem Namen „Salzburger Rhetorikgespräche“ vom Referatsbüro Rhetorik an der Paris-Lodron-Universität Salzburg ins Leben gerufen und fanden seither jährlich statt. 2008 wurden sie erstmals vom Seminar für Allgemeine Rhetorik, gefördert vom Verein zur Förderung der Rhetorik in Wissenschaft und Praxis e.V., an der Universität Tübingen unter dem Namen „Salzburg-Tübinger-Rhetorikgespräche“ [sa|tü|r] ausgerichtet und finden seither im jährlichen Wechsel mit der Paris-Lodron-Universität Salzburg unter Leitung von Prof. Dr. Schirren und PD Dr. Koch statt.

Besuchen Sie dazu auch gern die Seite: http://www.rhetorikgespraeche.at

 

Rheton – Online Zeitschrift für Rhetorik

Rheton, ist die einzige deutschsprachige online-Zeitschrift für Rhetorik; sie wird an der Universität Salzburg gemacht und neben den „Beiträgen“ finden Sie im „Forum“ ausgewählte studentische Projekte, die aus Lehrveranstaltungen hervorgegangen sind und Anregungen für weitere bieten. Außerdem bietet sie ein Archiv zu den „Rhetorikgesprächen“ seit 2004. http://www.rheton.sbg.ac.at/

 

Themen der letzten Salzburg-Tübinger-Rhetorikgespräche:

2017: Reden schreiben – Reden halten
2016:
Rhetorik der Inszenierung
[2015: [sa|tü|r] ist aufgrund der ISHR Tagung in Tübingen ausgefallen]
2014: Findung – Erfindung – Kreativität
2013: Rhetorik der Affekte
2012: Rhetorik und Gespräch
2011: Rhetorik und Stilistik
2010: Rhetorik und Wirtschaft
2009: Rhetorik als Persönlichkeitsbildung
2008: Rhetorikausbildung

Wir danken herzlich für die Unterstützung:

Kirchner-Seminare